Nachwort


Dieses Buchprojekt war für mich eine Reise ins Ich. Es hat mich aufgewühlt, mir schlaflose Nächte bereitet und mich nachdenklich gemacht über ein Land, das ich bereits seit 1979 kenne. In keiner Zeit zuvor las ich so viele Berichte und Meinungen in nationalen wie internationalen Medien und Blogs über zurückliegende und aktuelle Ereignisse in Vietnam. Meine daraus gewonnenen Erkenntnisse, die zu einem erheblichen Teil in dieses Länderporträt einflossen, sind, wie könnte es anders sein, subjektiver Natur. Verbunden mit der Schilderung persönlicher Erlebnisse, spiegeln sie meine vielfältigen Interessen an diesem Volk und seiner Kultur wider. Dennoch erhebt dieses Werk keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
In einer vom mächtigen Nachbarn China seit Jahrtausenden beeinflussten Region steht Vietnam vor großen Herausforderungen. Der Motor dieser Entwicklung, die zahlenmäßig stärkste Bevölkerungsgruppe, die Jugend, strebt nach westlichen Werten, ohne ihre Herkunft zu vergessen. Das ist ein gutes Zeichen! Denn so geerdet können sich Talente und Leistungswillen frei entfalten. Der Lohn dafür ist, angelehnt an das konfuzianische Erbe, Ansehen in der Gesellschaft. Eine wichtige Komponente für ein Volk, in dem einer allein nicht überleben kann. Wirtschaftlich baut das Schwellenland auf das Know-how und Investitionen führender Industrieländer. Deutschland hat dabei einen besonderen Status. Wir sind Vietnam nicht nur seit Jahrzehnten freundschaftlich verbunden, wie es oft diplomatisch heißt, wir leben diese Freundschaft auch. Und das tausendfach, privat wie geschäftlich, in gegenseitigen Besuchen, einer intensiven Zusammenarbeit. Wir können noch viel mehr tun, zum beiderseitigen Vorteil. Vietnam rollt uns, den ehemaligen und neuen Kollegen und Kommilitonen, den roten Teppich aus. Wir müssen nur darüber gehen und beweisen, dass wir mit ehrlichen Absichten kommen.
Der bei uns graue, nasskalte November, gegen dessen schleichende depressive Stimmung auch keine brennenden Kerzen, dampfende Tees und flauschige Kuscheldecken helfen, ist Nordvietnams bester Reisemonat. Dann dehnt sich der Himmel über Hanoi oft in einem strahlenden Blau. Die Temperaturen gleichen denen eines schönen Sommertages bei uns. Vietnamesen nennen diese Zeit die der Deutschen. Denn unsere Anwesenheit in Scharen toppt dann die der anderen Gäste aus asiatischen Nachbarländern und den USA.
„Alles, damit die Bevölkerung reich ist, der Staat stark, demokratisch, gerecht und zivilisiert“. Diesen Parteislogan lese ich oft auf Plakaten in Vietnams quirligen Hauptstraßen. Ich hoffe für dieses fleißige, liebenswerte und friedensliebende Volk, dass dieser Spruch seine Erfüllung findet.
                                                                                                                                                       Leipzig, Oktober 2016.

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